Verkehrs und Verschönerungs Verein Zell

 Zur Geschichte von Zell

 

Das Gebiet um Zell gehörte zur Mark Michelstadt, die Kaiser Ludwig der Fromme 815 dem Einhard schenkte. Einhard war Kanzler und Biograf Karls des Großen, der 814 starb. Einhard errichtete die Basilika in Steinbach und gründete dort ein Kloster. 819 verzog er nach Seligenstadt und schenkte die Mark Michelstadt dem Kloster Lorsch.

 

Der Name Zell deutet darauf hin, dass vom Kloster Steinbach aus hier einen Kapelle (cella) errichtet wurde. Das Kloster wurde 1073 von Benediktiner-Mönchen wieder besetzt.. Die Kapelle stand auf dem heutigen Friedhof, auf dem bis 1799 auch die Toten von Momart beerdigt wurden. Die Kapelle wurde auch im 15. Jahrhundert erwähnt und musste 1850 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Der Altar ist heute in der Erbacher Schlosskapelle bewahrt.

 

Der Ort Zell wurde erstmals 1095 in einer Urkunde des Lorscher Abtes Anselm erwähnt, wonach dem Kloster Steinbach der Zehnte von Cunticha (Bad König), C e l l a (Zell) und weitere Orten zustand.

 

Nach der Auflösung des Klosters Lorsch 1232 kam die alte Mark Michelstadt in den Besitz der Schenken von Erbach, die 1532 in den Grafenstand erhoben wurden.

 

1461 hatte Zell bereits 2 Mühlen, 8 Huben (Bauernhöfe) und 10 Hofstätten. Die Personennamen “Messerschmid” “Ysenhauer” und “der schwarze Heinz und seine Gesellen” weisen auf den Erzabbau in den “Eisengruben und auf Eisenbearbeitung hin.

 

Der 30-jährige Krieg dezimierte die Einwohnerzahl auf 3 Familien; jedoch zählte man um 1700 wieder 10 Familien, deren Kinder erstmals Schulunterricht hatten.

 

1727 entstand an der Mümling eine Papiermühle, dann eine Pulver- und Walkmühle, in denen auch auswärtige Fachkräfte beschäftigt waren.

1802 wurde eine zweite Papiermühle errichtet, in deren Gebäude 1912 die Metallwarenfabrik Maul einzog. Sie beschäftigt heute über 100 Mitarbeiter und liefert ihre Bürogeräte in alle Erdteile.

 

1806 kam die Grafschaft Erbach an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Damit verbunden waren die Gemeinde- und Schulreform, die Einführung einheitlicher Maße, die Abschaffung der Leibeigenschaft und die Ablösung alter Herrschaftsrechte.

1820 wurden die Staatsstraße (alte B 45), 1837 der Brombacher Weg, 1841 der Steingrundweg (heute Momarter Strasse) ; dort entstand dann eine Reihe neuer Wohnhäuser.

 

Im 19.Jahrhundert verzeichnete Zell einen rapiden Bevölkerungsanstieg von 230 auf 544 Einwohner. Durch mehrere Missernten gab es um 1850 eine Hungersnot, in deren Folge rund 140 Einwohner abwanderten, davon etwa 80 nach Amerika.

 

1843 wurde das erste größere Gemeinde-Schulhaus (heute Jakob-Maul-Strasse 3) eingerichtet, das 1893 durch ein größeres (am Bahnhof) abgelöst wurde.

 

 

Mit dem Bau der Eisenbahn 1870 begann die Industrialisierung, und mit der Reichsgründung 1871 wurden Geld, Maße und Gewichte auf das Dezimalsystem umgestellt.

Zell bekam 1885 eine Fahrpost (König-Kirchbrombach), 1893 die neue Schule, 1895 die Spar- und Darlehnskasse, 1896 die Kreisstraße nach Momart, eine Möbelfabrik und eine Molkerei, 1899 eine Postagentur mit Telefon, 1906 eine Wasserleitung.

 

Nach dem 1.Welkrieg, in dem 134 Zeller Soldaten 25 fielen, erhielt Zell 1920 elektrisches Licht, dann Kanalisation und asphaltierte Straßen mit Bürgersteig ,sowie einen Sportplatz.

 

Im 2.Welkrieg hatte Zell 49 Gefallene zu beklagen. Danach stieg die Einwohnerzahl von 765 auf über 1200 an, davon 145 Schulkinder.

In der Folgezeit erhielt Zell 1955 eine evangelische Kirche, 1966 eine neue Schule, 1972 einen Kindergarten.

Nach dem Bau der Umgehungsstraße B 45 (1960-64) wurden vier neue Straßenzüge sowie ein Industriegebiet am Brombacher Weg erschlossen und bebaut.

Mehrere Vereine sind bemüht, Brunnen, Grünanlagen, Wanderwege, Parkplätze und Schutzhütten anzulegen und zu pflegen.

 

1995 konnte Zell sein 900-jähriges Orts-Jubiläum begehen.

 

(Georg Freiling)

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